SUPERUMBAU | Hoyerswerda 2003
 
Ein Kunstprojekt zur Erforschung urbanen Lebens in schrumpfenden Städten | zur symbolischen Dimension des Plattenbaus | zu Möglichkeiten sozialer Orientierung durch experimentelles Handeln | im Angesicht von Stadtumbau Ost in Hoyerswerda

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Stiftung lebendige Stadt,
die Wohnungsbaugesellschaft mbH Hoyerswerda und die Kulturfabrik Hoyerswerda
 
Projektleitung: Dorit Baumeister
Kuratoren: Ute Tischler und Harald Müller
Pressearbeit und Produktionsleitung: Anja Nioduschewski
 
Hoyerswerda galt als Beispiel für die Stadt der Moderne, der „Zweiten sozialistischen Stadt“ in der ehemaligen DDR. Komplett in industrieller Bauweise erstellt, gedacht für den Menschen von morgen, wächst sie ab Mitte der 50iger bis Mitte der 80iger Jahre um das zehnfache auf 72.000 Einwohner. Aus der ganzen Republik zog es die Jungen in die entstehenden
Plattenbausiedlungen, um Teil des Neuanfangs zu werden.
Heute, fünf Jahrzehnte später, wird die Stadt zurückgebaut, sie schrumpft, verschwindet schneller als sie aus dem Boden gestampft wurde.
Der Arbeitgeber von einst, das Kombinat „Schwarze Pumpe“, existiert in dem Sinn nicht mehr.
Die Erbauer sind gemeinsam alt geworden und erleben nun, wie ihre Kinder und Enkel die Stadt verlassen. Heute leben in Hoyerswerda- Neustadt von ehemals 55.000 noch 25.000 Einwohner. 2020 werden noch 15.000 Einwohner in ihr leben. Das Durchschnittsalter wird dann 54 Jahre betragen, 1990 lag es bei 35 Jahren.
 
SUPERUMBAU thematisierte am Beispiel der Stadt Hoyerswerda die sich aus dem Rückbau ergebenen sozialen und kulturellen Folgen. Durch das Kunstprojekt wurden die Komplexität des Schrumpfungsprozesses, seine Auswirkungen und Abhängigkeiten auf sämtliche Lebensfunktionen einer Stadt und ihrer Bürger ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Es forderte auf zum Dialog, zur Reflexion und Bewertung der eigenen Geschichte, insbesondere der jüngsten Vergangenheit und Möglichkeiten des Umgangs mit ihr.
 
SUPERUMBAU „bespielte“ 6 Wochen lang ein leer stehendes Gebäudeensemble im Wohnkomplex 8 der Neustadt von Hoyerswerda, der aus einem fünfgeschossigen Wohngebäude und dem Flachbau einer Kindertagesstätte bestand sowie die unmittelbar angrenzenden Freiflächen mit einschloss.
Im Flachbau wurde für sechs Wochen das Ausstellungs- und Kommunikationszentrum installiert. Es entstanden Ausstellungsräume, ein Theaterraum, ein Videovorführraum, eine Infobar, das Cafe „NEUSTADT“ sowie ein Künstlerhotel. Die Ausstattung folgte dem Gedanken der Zwischennutzung: temporär, effektiv und preiswert.  Im Zentrum des Projektes stand der Abbruch des Wohngebäudes, ein Plattenbau vom Typ P2, als symbolischer Ausgangspunkt für die künstlerischen Auseinandersetzungen.
 
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
Bibiana Beglau | Martin Rottenkolber | Antje Hanebeck | Laura Bruce | FM Einheit | Caspar Brötzmann | Finger mit Martin Brandt, Florian Haas, Claudia Hummel, Andreas Wolf | Holger Herschel | Dirk Lienig | Angela Lubic | Marke 3000 | Angelika Middendorf | Andrea Moses | Jan Pappelbaum | Armin Petras | Andreas Schimanski | Stadt im Regal mit Tina Born, Antje Dorn, Ursula Döbereiner, Kerstin Drechsel, Friederike Feldmann, Heike Klussmann, Valeska Peschke, Birgit Schlieps, Katharina Schmidt, Michaela Schweiger, Markus Strieder, Daniela von Waberer | Hugo Velarde | CONCERT mit Andreas Wegner , Peter Wächtler | Luc Wolff